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Meldung 1408

Die minutiöse Befolgung einer antiquierten Vorschrift als Möglichkeit des Nachweises ihrer Reformbedürftigkeit

Werke der Tonkunst sind urheberrechtlich geschützt. Wer sie, wenn auch nur ganz geringfügig, für eigene Kompositionen verwendet, bedarf dazu einer Genehmigung des Rechteinhabers und muss sein Werk bei der GEMA anmelden. Das dafür vorgesehene Meldeformular verlangt die Angabe der Titel der verwendeten Musikstücke, und zwar auch der ungeschützten wie z.B. von Volksweisen.

In der sogenannten Neuen-Musik-Szene hat sich unter anderem das Komponieren in der Form des Sampling und des kreativen Copy & Paste-Verfahrens herausgebildet, bei dem bereits existierende Musik digitalisiert und gemischt wird, sodass etwas Neues entsteht. Ein junger Vertreter dieser Kompositionstechnik, selbst Mitglied der GEMA, wollte sich mit den von der GEMA vorgeschriebenen Anmeldeverpflichtungen nicht abfinden, weil er sie in Hinblick auf den nicht mehr bestimmbaren Zitatcharakter der Neuen Musik für nicht mehr zeitgemäß hält.

Um ein Exempel zu statuieren, „komponierte“ er ein dreiunddreißigsekündiges Musikstück unter Verwendung von 70.200 Fremdanteilen, für die er ebenso viele Einzelnachweise in Papierform erstellte. Diese transportierte er nach vorheriger Information der Presse mit Hilfe eines Kleinlastwagens zur GEMA und reichte sie dort ein, „um die Bürokratie einer unflexiblen Institution  ad absurdum zu führen.“

Die GEMA veranstaltete nach der Übergabe eine Pressekonferenz mit dem Komponisten. Sie begrüßte die Aktion, wies aber darauf hin, dass es sich um ein Problem des Urheberrechts handelte, für das sie als Treuhänderin ihrer Mitglieder nicht verantwortlich wäre, und im übrigen eine Verwendung fremder Werke im Sinne des Urhebergesetzes nur vorläge, wenn das Material erkennbar wäre.

Stand der Falldarstellung: 2008

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